Krise – Klassenkampf – Organisierung

Wir dokumentieren hier den Text „Krise – Klassenkampf – Organisierung“, den wir im September 2015 in dem von Peter Nowak herausgegebenen Buch „Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht“ veröffentlicht haben.
Hier auch im lesefreundlichen PDF-Format.

Krise – Klassenkampf – Organisierung

Im Jahr 2014 kam es zu einigen weitreichenden Umstrukturierungen und Umbenennungen innerhalb der radikalen Linken in der BRD. So ging der norddeutschlandweite Zusammenschluss „avanti“ in die Interventionistische Linke auf, die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB) trat der Neue(n) Antikapitalistischen Organisation (NaO) bei und die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) löste sich komplett auf, was von manchen als das Ende der Antifa-Bewegung verstanden wurde. Auch unsere Gruppe gab im Juni 2014 ihre Umbenennung bekannt. Wir legten unseren alten Namen „campusantifa“ ab und treten seitdem unter dem Namen Antifa Kritik & Klassenkampf auf. Diese Veränderungen und Umstrukturierungen zu diesem Zeitpunkt sind sicher nicht dem Zufall geschuldet, sondern der Ausdruck dessen, dass die Linke, angesichts der sich auf europäischer Ebene manifestierenden Weltwirtschaftskrise und den damit einhergehenden verschärften Angriffen des Kapitals auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Lohnabhängigen, es nicht schaffte, in die Offensive zu kommen, und stattdessen rechte und faschistische Bewegungen in vielen europäischen Ländern an Zulauf gewinnen (mit den Parteien UKIP, FN, FIDEZS und AfD seien hier nur einige Beispiele genannt). Und auch in denjenigen südeuropäischen Ländern, in denen sich in den Anfangsjahren der Krise noch größere außerparlamentarische Gegenoffensiven formierten, scheinen die Kampfzyklen vorerst gescheitert und auf dem Rückzug in den Insurrektionalismus (griechischer Anarchismus) oder im Prozess der Transformation in den Parlamentarismus (Podemos, Syriza). (mehr…)

Über die „Bewegung“ in Frankreich während des Frühjahrs 2016

Klasse – Macht – Kampf im Oktober mit der Gruppe „Mouvement Communiste“ aus Paris über die „Bewegung“ in Frankreich während des Frühjahrs 2016.

Diesmal ausnahmsweise am dritten Dienstag im Monat:
18. Oktober 2016, 19:30 Uhr im Klapperfeld.

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Zurück zur Maulwurfsarbeit

Interview mit Torsten Bewernitz, Sozialwissenschaftler und Gewerkschaftsaktivist

zuerst veröffentlicht im Lower Class Magazine.

Mit „Nothing in common? Differänzen in der Klasse” (Münster 2015) hat Torsten Bewernitz einen Sammelband mit Beiträgen zu den Begriffen Klasse und Klassenkampf vorgelegt, den er am 10. Mai 2016 iim Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Klasse – Macht – Kampf“ vorstellte. Wir stellten ein paar Fragen zum Buch und darüber hinaus.

Kannst Du kurz Deinen Anschluss an und deine Abgrenzung vom traditionell-marxistischen bzw. marxschen Klassenbegriff erläutern?

Für die Definition von ‚Arbeiterklasse’ bleibt die Stellung in der Produktion bzw. im Kapitalismus für mich das A und O. Das heißt, es geht im Wesentlichen um die doppelt freie Lohnarbeiter*innen versus das Kapital (das weit schwerer zu bestimmen ist). Produktion muss hier, wie ihr es auch in dem Papier „Der kommende Aufprall“ betont habt, selbstverständlich Reproduktion einschließen und darf nicht zu dem Kurzschluss verleiten, dass „unproduktive Arbeit“ – das gilt für fast alle Dienstleistungen – keine Zugehörigkeit zur Arbeiter*innenklasse bedeuten würde. Das wusste aber, anders als oft behauptet wird, Marx (und insbesondere Engels) auch schon. Zentral dabei ist für mich die dadurch resultierende Arbeiter*innenmacht (Beverly Silver). (mehr…)

Zellkernerfahrung

Untersuchung – Aktion – Organisation«. Die Betriebsarbeit des Revolutionären Kampf (RK) bei Opel Rüsselsheim 1971–73 – Veranstaltungsbericht

erschienen im: express 08/2016

StraßenkampfDer »Revolutionäre Kampf« in Frankfurt gehörte nicht zu jenen K-Gruppen der Post68er-Zeit, die sich einbildeten, die einzig wahre Arbeiterpartei werden zu können (oder gar bereits zu sein). Mit anderen Gruppierungen war man sich allerdings darüber einig, dass eine Revolution nicht ohne ein kämpferisches Proletariat zu haben sein würde – entsprechend gingen zahlreiche RK-Leute ans Fließband bei Opel. Wie aber sah die Betriebsarbeit einer Gruppe aus, die sich selbst zu den »Spontis« zählte und sich mehr vom italienischen Operaismus als vom Marxismus-Leninismus inspirieren ließ? (mehr…)

Rassismus in der antideutschen Antifa-Szene

Die Kasseler BASH-Gruppe ak raccoons hat anlässlich des Attentats am 12. Juni 2016 auf einen LGBT-Club in Orlando das Flugblatt „Das Problem heißt Islam“, [siehe auch die Kritiken „Das Patriarchat bleibt stabil!“ und „Komplexe Fragen, einfache Antworten?“] geschrieben. Es versteht Frauenverachtung, Homophobie und Lebensverachtung als dem Islam inhärent und bezeichnet das Attentat als Angriff auf die westliche Zivilisation und die bürgerliche Freiheit. Dies ist eine rassistische Position, die hier aus der Antifa-Bewegung kommt. Weil wir aus derselben Bewegung kommen, wollen und können wir das nicht unkommentiert stehen lassen.
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Buchvorstellung: „Im Feindbild vereint“

Im Feindbild vereint. Zur Relevanz des Antisemitismus in der Querfront-Zeitschrift Compact

Buchvorstellung mit Kevin Culina und Jonas Fedders Im Feindbild vereint

Café KoZ (Campus Bockenheim) || 07. September 2016 || 19 Uhr

„Mein Name ist Jürgen Elsässer und meine Zielgruppe ist das Volk!“ – mit diesen Worten beginnt Jürgen Elsässer viele seiner Reden; egal, ob bei den Aufmärschen der völkisch-rassistischen Pegida-Bewegung, den verschwörungsideologischen Montagsmahnwachen oder den antifeministischen Protesten der „Besorgten Eltern“. Auch in seinem Magazin „Compact“ wird die Vereinigung verschiedener politischer Spektren praktiziert: Durch positive Bezüge auf rassistische Publizisten und die Neue Rechte auf der einen sowie auf Teile der Linkspartei und als „links“ geltende Proteste wie die Montagsmahnwachen auf der anderen Seite arbeitet das Magazin auf eine „Querfront“ hin. Konstitutiv für Inhalte der Zeitschrift ist der Glaube an eine alles umfassende Weltverschwörung. Bei einer genaueren Analyse zeigt sich, dass in einer Vielzahl der Artikel antisemitische Denk- und Argumentationsmuster aufgerufen und reproduziert werden. (mehr…)

Soliaktion mit den Klassenkämpfen in Frankreich

Soliaktion mit den Klassenkämpfen in Frankreich
Am 227. Jahrestag des Sturms auf die Bastille durch die Pariser Bevölkerung am 14. Juli 1789 solidarisierten sich etwa 30 Demonstrant*innen in Frankfurt am Main mit den aktuellen Kämpfen in Frankreich gegen das neue Arbeitgesetz. Dieses stellt in den Augen der Demonstrant*innen einen massiven Angriff auf die Rechte der Lohnabhängigen dar. Am Zielpunkt der entschlossenen und stimmungsvollen Demonstration wurde vor dem Hochhaus des IG-Metall-Bundesvorstands an Fahnenstangen ein Transparent mit der Aufschrift „Solidarität mit dem Widerstand in Frankreich“ hochgezogen.

Während die Bevölkerung von Paris 1789 der Herrschaft des Adels ein Ende setzte, setzen sich die Lohnabhängigen in Frankreich seit Februar in einem offensiven Klassenkampf gegen die Herrschaft der Bourgeoisie zur Wehr. Gegen diesen geht die französische Polizei mit einer enorm hohen und brutalen Repression vor. (mehr…)

„Untersuchung – Aktion – Organisation“

Klasse – Macht – Kampf im Juni zum Thema
„Untersuchung – Aktion – Organisation“
Die Betriebsarbeit des Revolutionären Kampf (RK) bei Opel Rüsselsheim 1971-73
Bericht eines ehemaligen RK-Aktivisten

14. Juni 2016 19:30 Uhr
Klapperfeld, Nähe Konstablerwache (Frankfurt a. M. )

RK„Untersuchung – Aktion – Organisation“: So hieß das Papier, in dem die SDS-Betriebsprojektgruppe Frankfurt die theoretische Basis ihrer Betriebsintervention dargelegt hatte. Aus dieser Betriebsprojektgruppe wurde dann eine der wichtigsten revolutionären Betriebsgruppen im Deutschland der 70er Jahre: der Revolutionäre Kampf (RK).

Der RK arbeitete mit einer Betriebsgruppe in Opel Rüsselsheim von bis zu 30 Innenkadern. Ziel dieser Betriebsintervention war, die Opel-Arbeiter zu agitieren und zu organisieren. Dabei grenzte sich der RK deutlich von der Klassenkampf-Rhetorik des Marxismus-Leninismus ab und orientierte sich stark am Konzept der Arbeiterautonomie der italienischen Operaisten. Die Agitationsarbeit war stets an konkreten Themen wie der Arbeitssicherheit orientiert.
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Nothing in common?

Klasse – Macht – Kampf im Mai mit einem Vortrag von Torsten Bewernitz zu seinem Buch: „Nothing in Common? – Warum es tatsächlich ein emanzipatorisches Potential in der Arbeiter*innenklasse gibt.

„Die arbeitende Klasse und die besitzende Klasse haben nichts gemeinsam“ lautet ein Prinzip des basisgewerkschaftlichen Syndikalismus. Um auf dieses Prinzip zu kommen, bedarf es aber eines bestimmten Verständnisses von dem, was Klassen sind. Das Arbeiter*innen und Unternehmer*innen nichts gemeinsam haben, ist durchaus nicht plausibel. Viele haben sicherlich schon mal ein Glas Bier mit ihrem Chef getrunken, manche waren vielleicht sogar auf gemeinsam auf einem Konzert und vielleicht teilen sich Chef*in und Arbeiter*in auch die politische Meinung.

„Nothing in common“ – nichts gemeinsam – muss sich also auf etwas anderes beziehen. Die Formulierung bezieht sich auf einen gesellschaftlichen und ökonomischen Grundkonflikt, der im Kapitalismus strukturell angelegt ist. Torsten Bewernitz macht sich auf die Suche nach dieser Struktur, aber auch nach den Widerständen und Bewegungen, die sich nicht aus der Struktur, sondern aus einem kollektiven Eigensinn erklären lassen.

Dienstag, 10. Mai 2016, 19:30 Uhr im Klapperfeld