Archiv der Kategorie 'Feminismus/Care'

Achtung: „Exzellenzcluster“ will linke Strukturen ausforschen!

Vor einigen Wochen erreichte uns über mehrere Ecken die Anfrage eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des am Exzellencluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ angesiedelten Projektes „Internationale Dissidenz“. Er sei in einem Projekt für Bewegungsforschung involviert und hätte daher gerne einen Kontakt zu uns. Wir waren von dieser Anfrage doch gelinde gesagt mehr als überrascht. Bereits in unserem Semesterguide vom Winter 2013/14 haben wir auf die konterrevolutionäre Forschung des sogenannten Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit einem Text von Peer Heinelt und einer von uns verfassten Einleitung hingewiesen. Die Artikel zeigten anhand von Texten des Clusters auf, dass dort politische Bewegungen und „Radikalisierungsprozesse“ erforscht werden, um dieses Wissen zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Herrschaftunsordnung einzusetzen. (mehr…)

»Demo für Alle«? Läuft nicht!

Unter dem Slogan »Demo für Alle. Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder« versucht am 30. Oktober in Wiesbaden ein Bündnis aus AntifeministInnen, Konservativen, christlichen FundamentalistInnen, »besorgten Eltern« und Nazis auf die Straße zu gehen. Das traditionelle Leitbild der Familie als »Keimzelle der Nation« und die Ideologie einer »natürlichen« Zweigeschlechterordnung machen neue und alte Rechte anschlussfähig bis weit in die »Mitte« der Gesellschaft. (mehr…)

Über die Emanzipationsperspektiven von Care-Arbeiter_innen

Klasse – Macht – Kampf im März dieses Mal zum Thema:

„Alle Räder stehen still, …?“
Über die Emanzipationsperspektiven von Care-Arbeiter_innen.
Eine theoretische Verallgemeinerung des Arbeitskampfes an der Charité in Berlin

Charité StreikArbeitskämpfe im Pflege- und Gesundheitsbereich verhandeln zentrale gesellschaftliche Widersprüche. Gleichzeitig finden sie unter speziellen Bedingungen statt, durch die sie sich von anderen Arbeitskämpfen unterscheiden – gegen Streiks in Krankenhäusern wird beispielsweise immer wieder die Verantwortung der Beschäftigten für die Patienten ins Feld geführt. Wie kann unter diesen Bedingungen ein erfolgreicher Arbeitskampf aussehen? (mehr…)

Der kommende Aufprall

Auf der Suche nach der Reißleine in Zeiten der Krise

- Strategische Überlegungen -

Hier die pdf-Version:
Der kommende Aufprall

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„C’est l’histoire d’une société qui tombe et qui au fur et à mesure de sa chute se répète sans cesse pour se rassurer : jusqu’ici tout va bien, jusqu’ici tout va bien, jusqu’ici tout va bien…
Le problème ce n’est pas la chute, c’est l’atterrissage.“

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Krise
2.1 Widerspruch & Krisendynamik
2.2 Die Rolle der BRD in der Krise

3. Klasse
3.1.Selbstorganisierung & Klassenkampf
3.2 Bedürfnis & Klassenbewusstsein
3.3 Exkurs: Zur Kritik der Zurückweisung des Klassenbegriffs am Beispiel des …umsGanze Bündnisses

4. Praxis

5. Literatur
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1. Einleitung

„Jedes geschichtliche Unternehmen kann […] nur ein mehr oder weniger vernünftiges und begründetes Abenteuer sein. Zuerst jedoch ein Wagnis. Als solches kann es keine Maßlosigkeit, keinen unerbittlichen und absoluten Standpunkt rechtfertigen.“ (Camus 1969: 326)

Es gibt bisher trotz aller Diskussion über die Krise in der deutschen Linken keine theoretisch fundierte, aber gleichzeitig gesellschaftlich relevante Praxis, um auf die mit Kapitalismus und Krise verbundenen Entwicklungen reagieren zu können.1So wie man vielleicht aus heutiger Perspektive sagen kann, dass die Linke Anfang der 2000′er auf die Re-Formierung der hiesigen Verhältnisse durch die Agenda 2010 und deren Folgen nicht adäquat reagiert hat, so beschleicht uns der Gedanke, dass wir angesichts der heutigen Krise und ihrer konkreten Folgen für die Menschen an einem ähnlichen Punkt stehen könnten – nicht im Sinne einer nicht genügenden Thematisierung der Krise, sondern im Sinne einer Reflexion der eigenen Handlungen, ob diese dem Gegenstand angemessen sind oder ob wir uns nicht zu sehr in den Formen von Events und Symbolpolitik verrennen, die in den 1990′ern und 2000′ern Refugium einer radikalen Linken waren, also in einer Zeit gesellschaftlicher Ohnmacht angesichts eines scheinbar alternativlos gewordenen Kapitalismus.

Alle uns bis heute bekannten Versuche, auf die heutigen Krisenbearbeitungsstrategien des Kapitals zu reagieren, konnten die mit ihnen einhergehenden Angriffe auf die Lohnabhängigen nicht abwehren – unsere eigenen inbegriffen. Alle Politik, die über Teilbereichskämpfe hinausweist, begegnet uns in der einen oder anderen Form des Events oder der reinen Kritik. Beide Formen greifen nicht verändernd in unseren Alltag als Lohnabhängige, in die Sphäre der kapitalistischen Produktionsweise ein – unter den derzeitigen Bedingungen bleiben sie als Appell zahnlos. Damit ist angezeigt, in welche Richtung wir mit unserem Strategievorschlag wollen: Hin zu einer politisch-strategischen Neuorientierung im Bereich Antikapitalismus und Krisen-Widerstand. Wir zielen damit auf die drängende Frage, wie sich in der gegenwärtigen Situation eine Linke handlungsfähig organisieren kann, weswegen wir hier nur die Grundzüge einer Krisentheorie darlegen können, da es uns zentral darum geht, einen zu diskutierenden Strategievorschlag zu unterbreiten.

Anlass zu alledem gab uns unser Versuch, innerhalb von M31 an die Produktions- und Reproduktionskämpfe, über ein gemeinsames Event hinausgehend, anzuknüpfen. Dem M31-Generalstreikspapier wurde zwar in einigen Teilen der (radikalen) Linken anfänglich mit Interesse begegnet, doch entwickelten sich daraus keine tragfähigen Strukturen. Die Gründe dafür vermuten wir einerseits in einem Mangel an verbindender und verbindlicher Organisierung und andererseits in der weitestgehend fehlenden Erfahrung in Kämpfen im Bereich Lohn- und Hausarbeit. Damit verbunden ist die bequeme, oft unreflektierte Einrichtung in der eigenen Subkultur und in unseren bisherigen, oftmals nur selbst-referentiellen Formen von Politik.
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EZB-Eröffnung am 18. März 2015 stören – Gegen das Europa des Kapitals – Antiautoritären Widerstand stärken

Aufruf des M31-Netzwerk zur EZB-Eröffnung

Während der Glückspegel in Deutschland laut Umfragen des kapitalnahen „Instituts der deutschen Wirtschaft“ angeblich so hoch steht wie nie1, brennt es im Rest Europas an allen Ecken und Enden. Große Teile der europäischen Bevölkerung bekommen weiterhin die unsäglichen Lasten zu spüren, die durch die Weltwirtschaftskrise und die Krisenpolitik der Troika (bestehend aus der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfond) und der nationalen Regierungen erzeugt wurden. Dies war der Preis dafür, dass sich die Finanzlage der europäischen Staaten und vor allem der südeuropäischen Krisenländer zumindest oberflächlich wieder beruhigt hat. Auch wenn es sich bei dieser Beruhigung nur um einen bloßen Schein handelt, wähnen sich die Krisenverwalter Europas auf dem richtigen Weg.
Alles andere als richtig stellt sich das Ganze jedoch für die Lohnabhängigen in Europa dar. Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise 2007/2008 entfalteten sich in den verschiedensten europäischen Ländern mannigfaltige Protest-, Widerstands- und Streikzyklen, die alle darauf zielten, die autoritäre Krisenpolitik abzuwehren – Kämpfe gegen Lohnkürzungen, gegen die Zerschlagung sozialer Sicherungssysteme, gegen Zwangsräumungen, gegen das europäische Migrationsregime und viele mehr. Anfang 2015 wird es mit der Eröffnung des neuen Sitzes der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend einen Anlass geben, der diesen verschiedenen Bewegungen die Möglichkeit bietet, nicht nur ihren Widerstand an einem symbolträchtigen Termin zu konzentrieren, sondern auch ihre grenzüberschreitende Vernetzung und gemeinsame strategische Diskussion weiter auszubauen.

Die EZB ist in den letzten Jahren schon mehrfach Ziel der Krisenproteste geworden. So auch am Aktionstag unseres M31-Netzwerks 2012. An den Gründen hierfür hat sich nichts geändert. Bei der EZB handelt es sich um eine der wichtigsten Institutionen der wirtschaftlichen Integration der Europäischen Union. Als Schnittstelle zwischen Staat und Ökonomie steht sie – wenn auch symbolisch – mehr als andere Institutionen für den umfassenden, systemischen Charakter der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Krise. Sie ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Organ der europäischen Krisenverwaltung und -politik geworden. Auf der einen Seite ist sie bemüht, den Zusammenbruch von Banken zu verhindern und die Refinanzierung der Staatshaushalte zu gewährleisten und so den Zusammenbruch nach dem Platzen der Finanzblase, die Entwertung großer Teile des Kapitals zu verhindern. Auf der anderen Seite kanalisierte sie im Verein mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds sowie unter Federführung der imperialistischen Macht Deutschland die Krisenfolgen zu einem breitgefächerten Angriff auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Lohnabhängigen – auf den Kündigungsschutz, das Streikrecht, die Löhne und Mindestlöhne sowie auf die Sozialversicherungs-, Gesundheits- und Bildungssysteme. So sorgte sie mit dafür, dass inmitten einer der reichsten Regionen der Welt mehr und mehr Menschen der Verarmung und Verelendung preisgegeben werden. (mehr…)

Podiumsdiskussion: Care – Crisis – Communism

Hiermit möchten wir Euch auf die Podiumsdiskussion Care-Crisis-Communism. In der Krise!? Queerfeministische Interventionen der feministischen philosph_innen und der Linken Liste aus Frankfurt aufmerksam machen:

Seit einigen Jahren hat der Diskurs um das Verhältnis einer Kritik der politischen Ökonomie und dem Feminismus wieder neuen Aufschwung erfahren. Besonders innerhalb der Debatte um Care- und Reproduktionsarbeit wird deutlich, dass die Haltungen zur Frage, wie nun der Geschlechter(widerspruch) und der ökonomische Widerspruch zueinander stehen, längst nicht geklärt ist. Im Gegenteil: Mit dem Aufkommen queerfeministischer Debatten und deren Interventionen in antikapitalistische Kämpfe, wird hier und da um Exklusivität und Abgrenzung gerungen.
Wie lässt sich anhand der derzeitigen Care-und Reproduktionsarbeiten und deren Verschiebungen der Akteur*innen eine (queer)feministische Kritik der politischen Ökonomie fruchtbar machen? Wie genau bestimmt sich eine antikapitalistische Haltung, die die Produktion von Geschlechtern und rassialisierten Subjekten innerhalb der Arbeits- und Lebensverhältnisse in den Blick nimmt? (mehr…)

Semesterguide Sommer 2014

Wir freuen uns euch unseren neuen Semesterguide für das Sommersemester 2014 präsentieren zu können, den wir noch unter unserem alten Namen publiziert haben.

Aus dem Inhalt:

  • Selbstorganisierte Kämpfe von Refugees und Non-Citizens in ffm
  • Text zur Flugschrift 100 Jahre Goethe Uni
  • Antifaschismus und rechtsradikale Bewegungen in Italien
  • Interview mit der Gruppe TPTG über die Kämpfe gegen die Massenentlassungen der administrativen Arbeiter*innen an griechischen Unis.
  • und vieles mehr
  • Patriarchat und Kapitalismus wegbügeln! – Frankfurter Positionen zur Care-Revolution

    Im folgenden dokumentieren wir das aktuelle Positionspapier des von uns mitinitiierten AK Care Frankfurt:

    Positionspapier des AK Care Frankfurt
    zur Care Revolution Aktionskonferenz in Berlin vom 14.-16.3.2014

    work and discussion in progress

    Vom 14. bis 16. März 2014 fand die „Aktionskonferenz Care Revolution“ (care=engl. für Sorge(-arbeit)) in Berlin statt. Die Organisator_innen hatten zum Ziel, verschiedensten Akteur_innen und Aktivist_innen aus den Feldern sozialer Reproduktion – Gesundheit, Pflege, Assistenz, Erziehung, Bildung, Wohnen, Haushalts- und Sexarbeit – eine Plattform zum Austausch über Erfahrungshorizonte und gemeinsame Handlungsstrategien zu bieten.
    Angestoßen durch einen Workshop der campusantifa zum Frauenkampftag am 8.März 2014 sind auch aus Frankfurt am Main Personen aus den verschiedensten politischen Zusammenhängen gemeinsam zur Aktionskonferenz gereist. Einige von uns1 wollen an dieser Stelle ihre Einschätzungen und ihre Kritik zur Diskussion stellen.

    Care – what is the matter?
    Was bedeutet es von ‚Care‘ statt von Reproduktionsarbeiten zu sprechen? Mit der Verschiebung vom Begriff Reproduktion zum Begriff Care ändern sich zum einen die Tätigkeiten, die in der Debatte eine Rolle spielen, zum anderen vollzieht sich ein Perspektivenwechsel in der Bewertung bestimmter Tätigkeiten. Reproduktionsarbeit umfasst Arbeiten, die im häuslichen Kontext und vor allem von Frauen* verrichtet werden. Die mit diesem Begriff verbundenen radikalen politischen Forderungen stellen sich wie folgt dar: Tätigkeiten, die als Reproduktionsarbeiten ausgezeichnet werden können, müssen als (gleichwertige) Form von Arbeit begriffen und als solche gesellschaftlich anerkannt werden (nicht mehr nur entlohnte Arbeit, darf als ‚produktive‘ Arbeit begriffen werden – Stichwort: „Lohn für Hausarbeit“). Aus dieser Perspektive ist die Einsicht zentral, dass die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Produktionsweise von der von Frauen* im Privaten verrichteten (unentlohnten) Arbeit abhängig ist, da sie der Reproduktion der Arbeitskraft (d.h. vor allem von männlichen* Erwerbstätigen) dienen. Mit der Bezeichnung von Tätigkeiten wie Kochen, Putzen, Waschen, Kinder versorgen, Sex etc. als Reproduktionsarbeiten soll somit der Status dieser Tätigkeiten als Arbeit und ihre gesellschaftliche Rolle im Produktionsprozess sichtbar gemacht werden. (mehr…)