Die Kämpfe der Massenarbeiter*innen und der Operaismus


Klasse – Macht – Kampf im Januar zu dem Thema „Die Kämpfe der Massenarbeiter*innen und der Operaismus“, am 10. Januar 2016 um 19:30 Uhr im Klapperfeld.
Achtung: Anders als auf dem gedruckten Flyer angegeben, findet die Veranstaltung nicht am 11., sondern am 10. Januar statt

Norditalien war zu Ende der 60er Jahre und zu Beginn der 70er Jahre der Schauplatz eines mit aller Härte geführten Zyklus der Klassenkämpfe, der seinen Höhepunkt in der Besetzung des Werkes FIAT Mirafiori im März 1973 fand. Laut einem Zeitgenossen wurden die Streiks bei Fiat in Turin zum Vietnam des italienischen Kapitals. Tonangebend waren in diesen Auseinandersetzungen nicht die gut ausgebildeten Facharbeiter, die mit ihrem Produzent*innenenstolz die traditionelle Anhängerschaft der KP bildeten. Stattdessen wurden die vielen Kämpfe, Besetzungen und Straßenschlachten von einem neuen, von der fordistischen Produktion hervorgebrachten Subjekt geführt: dem*der Massenarbeiter*in. In den Jahren zuvor waren zahlreiche junge Arbeiter*innen aus dem verarmten italienischen Süden in der Hoffnung auf ein verträgliches Auskommen in die Fabriken der industriellen Zentren Italiens rund um die Städte Turin, Venedig und Mailand geströmt. Die dort vorgefundene Rigidität des Arbeitsprozesses, eine vermasste, individuell austauschbare und stark intensivierte Arbeit fachte ihren Hass auf die Arbeitsteilung, die Fabrikarbeit und auf ihre Rolle als Lohnarbeiter*innen an. In ihren Kämpfen verteidigten die Massenarbeiter*innen zudem stets ihre Autonomie gegenüber den Institutionen der alten Arbeiter*innenbewegung wie der Partei und der Gewerkschaft, deren Vision des Sozialismus – nach einer Maßgabe Lenins – doch nur darin bestand, die ganze Gesellschaft in eine Fabrik ohne Kapitalisten zu verwandeln.

Dieser Klassenkampfzyklus kann als Bestätigung der theoretischen und politischen, taktischen und strategischen Linie verstanden werden, die in den Jahren zuvor von einigen dissidenten Intellektuellen der KP ausgearbeitet wurden. Ihre Re-Lektüre von Marx sollte später als Operaismus bekannt werden. Der Operaismus legte die fundamentale Kritik von Marx am despotischen Charakter der kapitalistischen Arbeitsorganisation wieder frei, die nach Marx vergessen und durch eine produktivistische Verherrlichung der kapitalistischen Rationalität ersetzt worden war. Und sie arbeiteten die revolutionäre Bedeutung des von Marx systematisch entwickelten Begriffs des «kombinierten Gesamtarbeiters» heraus, die sie zur Formulierung einer «strategischen Umkehr» (Mario Tronti) im Verhältnis von Arbeiterklasse und Kapital brachte.

Christian Frings wird in seinem Vortrag den Kampfzyklus der Massenarbeiter*innen beleuchten und auf die theoretische Entwicklung des Operaismus eingehen.