Zurück zur Maulwurfsarbeit

Interview mit Torsten Bewernitz, Sozialwissenschaftler und Gewerkschaftsaktivist

zuerst veröffentlicht im Lower Class Magazine.

Mit „Nothing in common? Differänzen in der Klasse” (Münster 2015) hat Torsten Bewernitz einen Sammelband mit Beiträgen zu den Begriffen Klasse und Klassenkampf vorgelegt, den er am 10. Mai 2016 iim Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Klasse – Macht – Kampf“ vorstellte. Wir stellten ein paar Fragen zum Buch und darüber hinaus.

Kannst Du kurz Deinen Anschluss an und deine Abgrenzung vom traditionell-marxistischen bzw. marxschen Klassenbegriff erläutern?

Für die Definition von ‚Arbeiterklasse’ bleibt die Stellung in der Produktion bzw. im Kapitalismus für mich das A und O. Das heißt, es geht im Wesentlichen um die doppelt freie Lohnarbeiter*innen versus das Kapital (das weit schwerer zu bestimmen ist). Produktion muss hier, wie ihr es auch in dem Papier „Der kommende Aufprall“ betont habt, selbstverständlich Reproduktion einschließen und darf nicht zu dem Kurzschluss verleiten, dass „unproduktive Arbeit“ – das gilt für fast alle Dienstleistungen – keine Zugehörigkeit zur Arbeiter*innenklasse bedeuten würde. Das wusste aber, anders als oft behauptet wird, Marx (und insbesondere Engels) auch schon. Zentral dabei ist für mich die dadurch resultierende Arbeiter*innenmacht (Beverly Silver).

Wobei auch hier wieder zu differenzieren gilt: Nicht alle Segmente der arbeitenden Klasse haben gleich viel dieser Macht und gerade die prekarisierten Klassensegmente haben eben keine – sollen aber ja auch nicht alleine im Regen stehen gelassen werden.

Meine deutlichste Erweiterung in dem Buch – die Marx aber sicherlich immer im Kopf hatte – ist dabei: Die Klassenzugehörigkeit ist nicht an die Individuen zeitlos gebunden, sondern die Zusammensetzung der Klasse(n) ändert sich permanent. Prinzipiell kann im entwickelten Kapitalismus jede*r die Klassenzugehörigkeit wechseln. Dieses Wechseln von Klasse zu Klasse ist aber auch das große Problem heutiger Zeit: Es wird keine Lösung für die gesamte Klasse angestrebt, sondern individuelle Lösungen. Darum habe ich große Schwierigkeiten mit dem Begriff des „Klassismus“: Erstens wird hier eine Undurchlässigkeit der Klassen behauptet, die es so absolut nicht gibt und zweitens – etwa durch die Plattform arbeiterkind.de – lediglich die individuelle Flucht aus der Arbeiter*innenklasse als Lösungsweg vorgeschlagen. Kritisiert wird nur, dass diese „Flucht“ institutionell und kulturell schwer gemacht wird.

Die deutlichste Kritik des Buches, nicht an Marx, aber am Marxismus, ist eine Kritik, die sich in erster Linie gegen Lenin wendet. Diese Kritik steht in der Tradition Rosa Luxemburgs und des deutschen Rätekommunismus. Ich finde dies deswegen extrem relevant, weil sich ein unbewusster oder sublimer Leninismus – letztlich ein Avantgardegedanke – durch die linken, gerade auch durch die vermeintlich antiautoritären, Bewegungen bis heute zieht (insbesondere eben auch im Anarchismus). Das hängt m.E. mit einer viel zu politischen Lesart von „Klassenbewusstsein“ zusammen – diese Lesart formuliert einen hohen Anspruch, dem eine Großgruppe (die dazu noch ständig variiert) niemals gerecht werden kann. Folglich sucht man sich Ersatz: eine Partei, eine intellektuelle Avantgarde oder ein anderes revolutionäres Subjekt, etwa die „Multitude“. In gewissem Sinne ist das auch eine Kritik an Marx direkt: Denn auch wenn z.B. Michael Vester betont, dass es das Konzept der Klasse an sich/ Klasse für sich bei Marx gar nicht so gäbe, so ist es dort doch angelegt. Das Problem liegt schlicht darin, dass „die Linken“ die Klasse rechts liegen lassen, wenn sie nur „an sich“ Klasse ist. Das deutet auf ein instrumentelles Verhältnis hin und ist nicht gerade vertrauenserweckend.

Das Problem dieser Konzeptionen besteht m.E. darin, dass hier die Arbeitenden ausgegrenzt werden, sie sind die „anderen“ und nicht welche von „uns“ (oder „wir“ welche von denen). Das Problem erscheint letztlich darin, dass „die“ nicht machen, was „wir“ wollen (oder für richtig halten). Das ist nun das Gegenteil des Anspruchs, dass die Arbeiter*innenklasse sich nur selber befreien kann, was m.E. Grundlage emanzipatorischer Klassenpolitik sein sollte.

Ob sich die freie und gleiche Lohnarbeit so dermaßen durchgesetzt hat, ist mit Marcel van der Linden (in „Workers of the World“) allerdings durchaus in Frage zu stellen. Marcel van der Linden weist einerseits nach, dass es bereits vor 6000 Jahren Lohnarbeitsverhältnisse gab und andererseits, dass es auch heute noch zahlreiche Arbeitsverhältnisse gibt, die nicht dem angeblich idealen Lohnarbeitsverhältnis entsprechen (z.B. Sklaverei). Auch solche Gruppen haben eine spezifische Klassenmacht, wie Peter Linebaugh und Marcus Rediker („Die vielköpfige Hydra“) für Sklavenaufstände, Piraterie und Indigen@s im 18. Jahrhundert zeigen. D.h. auch: Marx’ Abwertung der Bauern/Bäuerinnen und des Lumpenproletariats („Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“) ist notorisch problematisch. Für Bauern und Bäuerinnen zeige ich das im Buch am Beispiel der EZLN.

Das Fazit daraus wäre: Die Klasse der Lohnabhängigen hat zwar eine besondere Form der Macht, aber sie hat nicht exklusiv und alleine die Macht, den Kapitalismus umzuwerfen – es gibt durchaus andere Formen, die Funktionsweisen im Kapitalismus zu verweigern, die im Laufe der Geschichte auch immer wieder angewendet wurden. Und andererseits: Auch die Arbeiter*innenmacht ist eine komplexe Sache, denn sie ist innerhalb der Arbeiter*innenklasse ungleich verteilt (Stichwort: globale Arbeitsteilung). Wenn die wildcats („Weltarbeiterklasse“ in: wildcat 98/2015) z.B. diagnostizieren, dass sich die Arbeitsverhältnisse global angleichen, so heißt das nicht, dass Arbeiter*innenmacht global gleich wäre, sondern dass es überall sehr verschieden große Konglomerationen dieser Macht gibt und dass die Funktionen der Ausbeutung sich angleichen (Kontraktarbeit, Werkverträge, Leiharbeit), was aber eben noch keine gleiche Arbeiter*innenmacht (oder gar ein ähnliches Bewusstsein) impliziert.

„Nothing in common“ ist vor allem ein Plädoyer dafür, Differenzen und Vielfalt in der Arbeiter*innenklasse ernst zu nehmen. Warum ist es trotz der Vielfalt sinnvoll, von einer Klasse zu reden?

Der gerade von mir genannte Punkt weist schon auf die Differenzen hin. Der Titel für das Buch war ursprünglich gewählt, um die Unvereinbarkeit materieller Interessen des Kapitals und der AK aufzuzeigen (im Sinne der Industrial Workers of the World: „The Working Class and the owning class have nothing in common“). Ich wollte zeigen, unter welchen Bedingungen das stimmt – nämlich nur mit einem Marxschen, in erster Linie ökonomischen, Klassenbegriff, nicht aber in einem z.B. kulturellen oder habituellen Sinne.

Im Wesentlichen versuche ich mit dem Begriff „Differänz“ (man könnte auch, wenn man kein Freund des Poststrukturalismus ist, den Begriff des Nicht-Identischen von Adorno nehmen) die zahlreichen anderen Identitäten, die quer zur Klassenidentität laufen, mit dieser auf einen Nenner zu bringen: Geschlecht, Ethnizität, Milieu, politische Einstellung, Kultur… das ist alles nichts Neues, es wird allerdings immer parallel zur Klasse interpretiert und das führt zu Fehlschlüssen: So wurde in den Diskussionen der 1970er Jahre von Seiten des Feminismus das Klassendenken als „Hauptwiderspruchstheorie“ gegeißelt – gerade in dem Jahrzehnt, in dem sogar praktisch am Produktivsten die Kreuzungen geschlechtlicher Unterdrückung und ökonomischer Ausbeutung ausgearbeitet wurden.

Natürlich trotzdem nicht zu Unrecht: Selbstverständlich gab es unter den dogmatischen K-Gruppen der 1970er, wie überhaupt in der „alten“ Arbeiterbewegung, wenig Verständnis vor allem für Fragen des Geschlechterverhältnisses. Die Sozialwissenschaftlerin Mechhtild Rumpf spricht sogar von einem „traditionellen Antifeminismus“ in der Arbeiterbewegung.

Der nächste Schritt in der Etappe, in der linke Klassenbezüge kaputt gemacht wurden war der Text „3 zu 1“ von Klaus Viehmann und anderen, wie man im Nachhinein diagnostizieren muss. Anfang der 1990er Jahre war dieser Text das Nonplusultra in der außerparlamentarischen Linken, er war auch mein erster längerer Theorietext. Der Text versucht ebenfalls Klassenkampf, Feminismus und Antirassismus als parallel zu denken. Die zwei Hauptfehler des Textes sind m.E. erstens, dass hier nur noch in der Kategorie der Unterdrückung gedacht wird, eine Idee einer spezifischen Gruppenmacht oder eines Veränderungspotentials fehlt. Und zweitens, dass wieder ein fehlendes politisches Bewusstsein diagnostiziert wird, etwa wenn lt. Viehmann u.a. die Arbeiterbewegung an der Verhinderung des Faschismus gescheitert sei (da ist die Rede von einer „historischen Mission“). Neuste und akademische Variante dieser Diskussion sind die Intersektionalitätsstudien, die ja besagen, dass man, wenn man ein Unterdrückungsverhältnis thematisiert, die anderen aus dem Fokus verliert.

Aber: Das Klassenverhältnis ist eben in erster Linie kein Unterdrückungs- sondern ein Ausbeutungsverhältnis, das, wie gesagt, quer zu den Unterdrückungsverhältnissen liegt. Wer von der Klasse spricht, spricht von einer Vielfalt von Menschen und muss deswegen immer diese Unterdrückungsverhältnisse mitdenken. Auch deshalb halte ich die Klassismus-Debatte für einen theoretischen Rückschritt: Sie versucht den Begriff „Klasse“ unter veränderten Vorzeichen in die akademische Linke (und nicht etwa in eine proletarische!) wieder einzuführen, die sich nur noch um Kultur und Identität kümmert, nicht aber um soziale Ungleichheit. Und damit relativiert sie den Klassencharakter der Gesellschaft.

Kurz noch zu weiteren Differenzen: „Differänzen in der Klasse“ sind nicht nur die diversen Unterdrückungsverhältnisse und habituellen Unterschiede, die es auch in einer Klasse gibt, sondern oft – und vielleicht sogar am relevantesten – die ökonomisch-sozialen Verhältnisse. Ein guter Lohn macht ja noch keine Kapitalist*innen, es gibt auch reiche Proletarier*innen. Mehr oder weniger Prekarität ist ein weiterer Aspekt. Die inhaltlichen Differenzen zwischen den Dienstleistungs- und Industriegewerkschaften im DGB künden davon, fast mehr aber noch die Differenzen innerhalb der einzelnen Gewerkschaften: Etwa die Frage, ob man Leiharbeit abschaffen bzw. minimieren möchte, oder aber diese nutzt, um die Stammbelegschaften zu retten.

Was kennzeichnet den gegenwärtigen Ausgangspunkt der Klassenkämpfe (gegenwärtige Arbeitsverhältnisse/-bedingungen)? Welche Differenzen sind heute besonders relevant?

M.E. ist der wesentliche Punkt eine Dialektik von Ähnlichkeit und Differenz der Kämpfe, wie sie in den verschiedenen Positionen deutlich wird, die in den letzten Ausgaben von „analyse und kritik“ diskutiert wurden: Die wildcats haben hier eine Kurzfassung ihres Papiers zur „Weltarbeiterklasse“ präsentiert: Die Formen der Ausbeutung und die Formen der Kämpfe werden global ähnlicher – Hintergrund ist, dass die Globalisierung sozusagen „fertig“ ist: Die Tendenz zum Weltmarkt ist vollendet, das macht auch die Relevanz der aktuellen Wirtschaftskrise seit 2007 aus.

Das bedeutet aber auch gleichzeitig, und deshalb hat die antiimperialistische Gegenposition von Torkil Lauesen in der Ausgabe 612 genauso ihre Berechtigung: das wir eine globale Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt haben, die die Arbeiter*innenklasse eher spaltet als eint. Die Ausbeutungs- und Kampfmethoden gewinnen an Ähnlichkeit, das Ausbeutungs- und Kampfniveau divergiert aber beträchtlich. Und ein entscheidender Punkt dabei ist, dass die „fixes“ – die „Reparaturen“ die durch das Kapital durchgeführt werden – nach wie vor funktionieren. Gewinnt ein lokales oder nationales Proletariat, geht das nicht auf Kosten des Kapitals, sondern auf Kosten eines anderen lokalen, regionalen oder nationalen Proletariats. Das macht die Dynamik der aktuellen Krise aus und erklärt, warum trotz der globalen Krise die regionalen Kämpfe keine Gesamtperspektive entwickeln. Das ist ein Dilemma der aktuellen Kämpfe und erklärt zumindest ansatzweise die zunehmenden Nationalismen. Deshalb sind die Kämpfe in der „ursprünglichen Akkumulation“ – wie in Chiapas und Rojava – gerade am hoffnungsvollsten.

Ein zweiter Aspekt betrifft die Ideologie: Das ist der Neoliberalismus, auch wenn der als Phrase mittlerweile ganz schön abgedroschen ist. Der Neoliberalismus wird überschätzt, wenn er als neue ökonomische Phase des Kapitalismus betrachtet wird. Er ist aber eine neue ideologische Phase bzw. die Rückbesinnung auf eine alte, eben den Liberalismus. Ohne Sinus-Studien jetzt gut zu finden, finde ich doch die aktuelle Jugendstudie sehr alarmierend: Es gibt kein rebellisches Potential mehr, keine Subkulturen, der größte Wunsch der (deutschen) Jugend ist, so zu sein „wie alle“. Ökonomisch hat die aktuelle Krise gezeigt, dass der Neoliberalismus ökonomisch inkompetent ist – das sehen sogar seine Vertreter*innen mittlerweile so: Es ist ungerecht, aber anders geht es halt nicht – so tönt es seit 2007 aus den marktliberalen ThinkTanks. Nichtsdestotrotz hat aber der Neoliberalismus global das Denken verändert, u.a. eben darin, dass man keine Kollektivlösungen, sondern nur noch individuelle Lösungen finden könne. Das geht bis tief in linke Debatten. Erneut ist die Klassismus-Kritik als individuelle Strategie ein Indiz dafür.

Was resultiert aus den Differenzen in der Klasse für Organisationsstrategien und -praktiken? Wie könnte in einer klassensolidarischen Praxis und Organisierung den Differenz- und entsprechenden Konfliktlinien Rechnung getragen werden?

Fassen wir zusammen, was heute das Klassenverhältnis ausmacht, dann müssen wir konstatieren, dass sich am Arbeiter-Sein selber nichts geändert hat, der Bezug darauf hat aber radikal abgenommen. Insofern stehen wir vor einem Dilemma: Um als Arbeiter*in aktiv zu werden, brauchen wir einen positiven Bezug auf diese Identität, ohne sie aber zu verherrlichen. Es gibt etwas Gemeinsames: „Die da oben“ beuten uns aus, wenn auch verschieden intensiv.

Aus den Differenzen (und deren Wahrnehmung) resultiert auch: Weder linke Bewegungen noch die Arbeiter*innenklasse hat als Ganze gerade das Potential (noch den Willen), tatsächlich Druck aufzubauen. Aufgabe einer Linken ist es m.E. momentan, ein Wissen darüber zu verbreiten, dass das aber doch möglich ist.

Das Rezept dafür: Dort hingehen, wo die Lohnabhängigen Probleme kriegen, im Idealfall, die eigenen Probleme der Lohnabhängigkeit öffentlich thematisieren und „politisieren“. Fragen, unterstützen (aber nie etwas „für“ die anderen tun, was sie selber tun könnten), verbreiten. Mehr zuhören als selber reden – bzw. beim selber reden nicht als „Wahrheitsverkünder*in“ auftreten sondern als „Vermittler*in“ eines untergründigen Wissens. Und zwar nicht in Kampagnenform, sondern langfristig und strömungsübergreifend. Statt vereinzelter Großmobilisierungen kontinuierliche Arbeit an gegenseitiger Hilfe und Erfahrungsaustausch im Alltag, orientiert an Bedürfnissen.

Im Idealfall thematisiert und problematisiert man seine eigene Rolle als Arbeiter*in, Lohnabhängige*r o.ä.

Die „Mächtigen“ (also Arbeiter*innen in Schlüsselpositionen, deren Streiks weh tun) und die „Ohn-Mächtigen“ (die Prekären, die nicht streiken können oder deren Streiks nicht weh tun) müssen irgendwie zusammengebracht werden. Kreativität ist gefragt, wo „Arbeitermacht“ nicht weiter hilft – vor allem in den prekären Dienstleistungsjobs. Bei amazon z.B. wird sich an dem Erfolg der Streiks das Schicksal einer globalen Branche entscheiden.

Vor allem finde ich relevant: Betriebsaktivismus statt Feierabendaktivismus! Und damit muss auch im eigenen Denken die Trennung von Politik und Ökonomie aufgehoben werden. Und wir brauchen einen aktiven Transnationalismus: Wir müssen „Übersetzungsarbeit“ leisten und Arbeitende international zusammenbringen.

Insgesamt haben wir gerade nicht die beste Ausgangsposition. Milieustudien zeigen, dass es nie so wenig Veränderungsinteresse gab wie heute, die linken Medien stecken in einer Krise und an allen Ecken lauert der backlash, vor allem in Geschlechterfragen und bzgl. Migration. Die Wahlergebnisse der AfD sprechen gegen sich. Global sieht es von Orban bis Trump nicht besser aus.

Eine linke Strategie muss sich diesen Aspekten anpassen. Staatskritik ist z.B. gerade sehr schwierig, weil es eben auch die rechte Sozialstaatskritik des Extrem-Neoliberalismus („Liberatarians“) gibt. Wie bringen wir den Anspruch an Selbstverwaltung und den Anspruch auf soziale Grundsicherung für alle zusammen?

Oder: Wie lässt sich Krisenprotest sinnvoll organisieren bzw. die Bedeutung der Krise thematisieren, wenn uns einerseits allen klar ist, dass die Krise systemimmanent nicht lösbar ist, wir aber andererseits mit Lösungen, die über das System hinausgehen (und das beginnt schon mit „Das letzte Geld sinnvoll verballern“) gegen Mauern reden? Kurz: Wie gewinnen wir einen „Mut zur Utopie“ zurück ohne utopistisch zu werden? In jedem Fall brauchen wir gerade einen ziemlich langen Atem. Wir sind auf die „Maulwurfsarbeit“ zurückgeworfen.