Archiv für April 2015

Podiumsdiskussion: Der kommende Aufprall

Auf der Such nach der Reißleine in Zeiten der Krise
Podiums- und Publikumsdiskussion zu unserem Papier „Der kommende Aufprall“
Do. 30 . April | 20.00 Uhr | im „faites votre jeu!“ (Klapperfeldstraße 5, Frankfurt)

Anfang April haben wir den Text „Der kommende Aufprall“ veröffentlicht, in dem wir für einen stärkeren Bezug der (radikalen) Linken auf die Kämpfe der Lohnabhängigen vorschlagen, um einer dort immer noch stark vorherrschenden, ritualisierten Eventpolitik zu entkommen. Der Text endet mit einem Organisierungsvorschlag, der unserer Meinung nach diese Orientierung auch organisatorisch umsetzen könnte.
In einer Podiums- und Publikumsdiskussion wollen wir den Text und seine Thesen aus dem mief unseres Plenumsraums rausholen und sie mit euch sowie einigen geladenen Gästen auf den Prüfstand stellen.

Zu Gast sind an diesem Abend:
Basisgruppe Antifa Bremen (Ums Ganze)

Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft

Der kommende Aufprall

Auf der Suche nach der Reißleine in Zeiten der Krise

- Strategische Überlegungen -

Hier die pdf-Version:
Der kommende Aufprall

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„C’est l’histoire d’une société qui tombe et qui au fur et à mesure de sa chute se répète sans cesse pour se rassurer : jusqu’ici tout va bien, jusqu’ici tout va bien, jusqu’ici tout va bien…
Le problème ce n’est pas la chute, c’est l’atterrissage.“

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Krise
2.1 Widerspruch & Krisendynamik
2.2 Die Rolle der BRD in der Krise

3. Klasse
3.1.Selbstorganisierung & Klassenkampf
3.2 Bedürfnis & Klassenbewusstsein
3.3 Exkurs: Zur Kritik der Zurückweisung des Klassenbegriffs am Beispiel des …umsGanze Bündnisses

4. Praxis

5. Literatur
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1. Einleitung

„Jedes geschichtliche Unternehmen kann […] nur ein mehr oder weniger vernünftiges und begründetes Abenteuer sein. Zuerst jedoch ein Wagnis. Als solches kann es keine Maßlosigkeit, keinen unerbittlichen und absoluten Standpunkt rechtfertigen.“ (Camus 1969: 326)

Es gibt bisher trotz aller Diskussion über die Krise in der deutschen Linken keine theoretisch fundierte, aber gleichzeitig gesellschaftlich relevante Praxis, um auf die mit Kapitalismus und Krise verbundenen Entwicklungen reagieren zu können.1So wie man vielleicht aus heutiger Perspektive sagen kann, dass die Linke Anfang der 2000′er auf die Re-Formierung der hiesigen Verhältnisse durch die Agenda 2010 und deren Folgen nicht adäquat reagiert hat, so beschleicht uns der Gedanke, dass wir angesichts der heutigen Krise und ihrer konkreten Folgen für die Menschen an einem ähnlichen Punkt stehen könnten – nicht im Sinne einer nicht genügenden Thematisierung der Krise, sondern im Sinne einer Reflexion der eigenen Handlungen, ob diese dem Gegenstand angemessen sind oder ob wir uns nicht zu sehr in den Formen von Events und Symbolpolitik verrennen, die in den 1990′ern und 2000′ern Refugium einer radikalen Linken waren, also in einer Zeit gesellschaftlicher Ohnmacht angesichts eines scheinbar alternativlos gewordenen Kapitalismus.

Alle uns bis heute bekannten Versuche, auf die heutigen Krisenbearbeitungsstrategien des Kapitals zu reagieren, konnten die mit ihnen einhergehenden Angriffe auf die Lohnabhängigen nicht abwehren – unsere eigenen inbegriffen. Alle Politik, die über Teilbereichskämpfe hinausweist, begegnet uns in der einen oder anderen Form des Events oder der reinen Kritik. Beide Formen greifen nicht verändernd in unseren Alltag als Lohnabhängige, in die Sphäre der kapitalistischen Produktionsweise ein – unter den derzeitigen Bedingungen bleiben sie als Appell zahnlos. Damit ist angezeigt, in welche Richtung wir mit unserem Strategievorschlag wollen: Hin zu einer politisch-strategischen Neuorientierung im Bereich Antikapitalismus und Krisen-Widerstand. Wir zielen damit auf die drängende Frage, wie sich in der gegenwärtigen Situation eine Linke handlungsfähig organisieren kann, weswegen wir hier nur die Grundzüge einer Krisentheorie darlegen können, da es uns zentral darum geht, einen zu diskutierenden Strategievorschlag zu unterbreiten.

Anlass zu alledem gab uns unser Versuch, innerhalb von M31 an die Produktions- und Reproduktionskämpfe, über ein gemeinsames Event hinausgehend, anzuknüpfen. Dem M31-Generalstreikspapier wurde zwar in einigen Teilen der (radikalen) Linken anfänglich mit Interesse begegnet, doch entwickelten sich daraus keine tragfähigen Strukturen. Die Gründe dafür vermuten wir einerseits in einem Mangel an verbindender und verbindlicher Organisierung und andererseits in der weitestgehend fehlenden Erfahrung in Kämpfen im Bereich Lohn- und Hausarbeit. Damit verbunden ist die bequeme, oft unreflektierte Einrichtung in der eigenen Subkultur und in unseren bisherigen, oftmals nur selbst-referentiellen Formen von Politik.
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