Archiv für Oktober 2014

einige wichtige Hinweise

Wir wollen an dieser Stelle auf drei Dinge hinweisen:

1. Jährt sich am 9. November die Reichspogromnacht zum 76. Mal. Aus diesem Grund veranstaltete ein Bündnis in Gießen einen Mahngang am 9. November , um den Opfern zu gedenken und entsprechend geschichtlich relevante Orte aufzusuchen. Treffpunkt ist der Berliner Platz um 18 Uhr. Wir rufen zur Teilnahme auf und verweisen auf den kompletten Aufruf.

2. Trafen sich im Juni in Leipzig Initiativen aus verschiedenen Städten, die in der Streiksoliarbeit aktiv sind (etwa bei amazon oder bei Neupack) oder sich in Zukunft eine solche leisten wollen. In dem Seminar wurde zusammen den Fragen nach Solidarität, nach Bündnisarbeit und nach möglichen Aktionsformen auf den Grund gegangen. Dabei wurden gemeinsamen Erfahrungen und Ideen austauschen, der Möglichkeitsrahmen abgestecket und sich miteinander vernetzt. Vom 14. bis 16.11.14 findet in Frankfurt/Main nun das Nachfolgetreffen dieser Gruppen statt. Es sollen weitere praktische Perspektiven auf Streiks ausgetauscht und die Gründung eines bundesweiten Streiksolinetzwerkes vorbereitet werden. Wenn ihr auch daran teilnehmen wollt, meldet euch bitte hier dazu an. Das Programm des Wochenendes kann hier eingesehen werden.
Nachtrag: Ein Artikel zu dem Treffen von Peter Nowak ist im Neuen Deutschland nachzulesen: http://www.neues-deutschland.de/artikel/953113.verstaerkung-am-werktor.html

3. Will der Antisemit Jürgen Elsässer von Jutta Ditfurth nicht „glühender Antisemit“ genannt werden und hat sie nun auf Unterlassung verklagt. Am ersten Verhandlungstag die zuständige Richterin bereits verlauten lassen, dass ein Antisemit nur sei, wer sich positiv auf die Shoa beziehe. Jutta hat richtig darauf hingewiesen, dass diese Definition Deutschland auf einen Schlag von allen seinen Antisemiten befreien würde. Denn beide Definitionen verbieten es, Leute Antisemiten zu nennen, die andere Menschen antisemitisch beleidigen, mit Hass verfolgen, demütigen und diskriminieren. Deswegen ist dieser Prozess wichtig für die gesamte Linke. Leider sitzt Jutta auf sehr hohen Anwalts- und Gerichtskosten, die sie nicht alleine tragen kann. Bitte unterstützt die Genossin! Weitere Angaben und Kontodaten finden sich hier.

Neue Veranstaltungsreihe zu aktuellen Klassenkämpfen

Am Montag, den 27. Oktober startet mit einem Vortrag zu 9 Monate Streik bei Neupack von einem Mitglied des Neupacksolikreises unsere neue, unregelmäßige Veranstaltungsreihe „Weil du auch eine Arbeiterin bist,.. – unregelmäßige Reihe zu aktuellen Klassenkämpfen“ um 19:30 Uhr im Café KoZ (Campus Bockenheim)

Achtung: Die Veranstaltung wurde eine Woche nach hinten verlegt und findet nun am 27.10.14 statt.

Ankündigung der Veranstaltung am 20.10.14: „9 Monate Streik bei Neupack“

Ein Unterstützerkreis konnte einen der längsten Arbeitskämpfe der letzten Jahrzehnte in Deutschland von der Vorbereitung bis zum Abschluss begleiten.
Ein immer größer werdender Niedriglohnsektor mit prekären Arbeitsverhältnissen verändert die Kräfteverhältnisse in Betrieben. Zudem gibt es eine zunehmende Anzahl von Betrieben, die kein Interesse einer sozialpartnerschaftlichen Kooperation mit den großen Gewerkschaften haben und diese massiv bekämpfen, zumindest dann, wenn sie wirkliche Verbesserungen für die Belegschaften anstreben. Davon, wie „Arbeitgeber“ das praktizieren und dabei auch erfolgreich sein können, erzählt dieser Streik bei Neupack. Er zeigt aber auch, dass dies nicht so sein muss.
Der Streik bei Neupack sowie die Arbeit des Solikreises soll in dem Vortrag vorgestellt und analysiert werden.

Hier die Ankündigung der „Weil du auch eine Arbeiterin bist,.. – unregelmäßige Reihe zu aktuellen Klassenkämpfen“:

Seit einige Jahrzehnten herrscht in Teilen der Linken die Auffassung vor, der praktische Bezug auf Klassenkämpfe habe sich erledigt, da die lohnabhängige Klasse spätestens seit Faschismus und Fordismus vollkommen ins bestehende Gesellschaftsgefüge integriert sei. Auseinandersetzungen zwischen Lohnabhängigen und Kapital fänden – wenn überhaupt – nur noch in sozialpartnerschaftlichen Formen unter der befriedenden Regie der DGB-Gewerkschaften statt. Doch auch wenn an dieser Perspektive etwas dran ist, ergibt sich aus ihr ein grundlegendes Dilemma: Mit der Absage ans Proletariat und an Klassenkämpfe geht der Kontakt zu grundlegenden Widersprüchen kapitalistischer Vergesellschaftung verloren, durch die hindurch sich die Verhältnisse reproduzieren. Verkennt man, dass diese Widersprüche aber potentiell zugleich Ansatzpunkte für einen Bruch mit ihnen darstellen können, bleibt nur der Rückzug auf die kritische Kritik oder die Organisation von gesellschaftlich irrelevanten „Events“.

Der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit lässt sich jedoch höchstens temporär befrieden, er ist vielmehr eine Grundkonstante dieser Gesellschaftsordnung. Wer den Blick etwas über den eigenen Tellerrand hinaus richtet, wird unschwer erkennen, dass der Klassenkampf auf einer globaler Ebene in der härtesten Formen ausgefochten wird. Auch in den kapitalistischen Zentren lassen sich spätestens seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise offenere Auseinandersetzungen zwischen den Klassen beobachten. Die Klasse der Lohnabhängigen bewegt sich dabei keineswegs immer in sozialpartnerschaftlichen Verkehrsformen, sondern setzt auch auf Selbstorganisierung. Daher soll in dieser Veranstaltungsreihe ein Blick auf diese Auseinandersetzungen geworfen und analysiert werden, welche Bedeutung diese für die eigene sozialrevolutionäre Praxis einnehmen können. Wir wollen in dieser Veranstaltungsreihe in unregelmäßigen Abständen über aktuelle Klassenkämpfe berichten und Akteur*innen vorstellen, die diese unterstützen. Dabei soll es nicht nur um klassische Kämpfe in der Industrie, sondern auch um die Kämpfe all jener, die sich in Lohnabhängigkeit befinden gehen.